Mein Startpunkt
“Ich bin nur gut genug, wenn ich viel und dauerhaft leiste.”
Ständige Produktivität war für mich lange ein Maßstab für meinen Selbstwert. Bis ich etwas Entscheidendes verstanden habe.
In diesem Blog spreche ich über ein Thema, das mich jahrelang begleitet hat und immer noch auftaucht.
Ein Muster, das mich angetrieben, gestresst und gleichzeitig ausgebremst hat. Es hat mich müde gemacht. Schwer. Teilweise richtig erschöpft. Und gleichzeitig war da der Wunsch, endlich leichter zu arbeiten und zu leben - vorallem innerlich.
Ich erzähle von meinem blockierenden, störenden Dreiklang. Und wie ich mich damit auseinandergesetzt habe.
Anhand eines ganz konkreten Beispiels aus meinem Leben schauen wir uns an, was im Inneren passieren kann, wenn man beginnt, ehrlich hinzuschauen.
Mein blockierender Dreiklang aus Übermotivation, Druck & Bewertung
„Ich muss jeden Tag energiegeladen und leistungsfähig sein. Und nur wenn ich alles schaffe, war es ein guter, erfolgreicher Tag.“
In den letzten Jahren hat mich ein Glaubenssatz begleitet, der sich erstaunlich hartnäckig gehalten hat:
„Ich muss immer eine lange To‑do‑Liste haben. Ich muss ständig produktiv sein. Ich muss viel schaffen, um am Ende des Tages gut genug zu sein.“
Vielleicht kennst du das auch - eine Reihe an Gedanken und Gefühlen, die sich aneinander reihen:
- Diese Übermotivation, die ins Unrealistische kippt.
- Der Druck, immer „perfekt" zu sein und zu 120% zu performen.
- Die innere Stimme der Bewertung, die flüstert: Nur wenn du alles schaffst, war dein Tag produktiv und damit erfolgreich. Nur ein voller Tag ist ein guter Tag.
Und tief drin hing für mich ganz oft dieses Gefühl dran: Ich bin nur gut genug, wenn ich viel und dauernd leiste.
Was dabei oft untergeht: Kein Mensch - wirklich niemand - ist jeden Tag gleich produktiv, gleich motiviert oder gleich leistungsstark. Und das ist vollkommen normal.
Mir wurde mit der Zeit durch Coachings bewusst, wie viel Energie ich dadurch verloren habe.
- Wie übermotiviert ich meine To Do Liste gefüllt habe, die nicht zu schaffen war.
- Wie sehr ich mich selbst unter Druck gesetzt habe, alles zu schaffen.
- Und wie streng und ungeduldig ich mit mir war, wenn ich dann nicht alles geschafft habe.
Und dieses Gefühl danach: dieses dumpfe „Ich habe nicht genug geleistet“. Diese Schwere. Diese innere Unzufriedenheit, obwohl ich eigentlich schon völlig ausgepowert war.
Ich wollte anfangen, dieses Muster wirklich zu verstehen.
Emotionales Verstehen
"Ich bin übermotiviert, ich setze mich unter Druck, ich bewerte mich - und das hilft mir nicht, im Gegenteil.”
Mit Kenntnis dieses Dreiklangs habe ich begonnen, meine Gefühle wirklich zu verstehen und mit ihnen zu arbeiten. Mitte letzten Jahres habe ich begonnen, dieses Muster bewusst aufzuräumen.
Ich habe angefangen, überhaupt zu erkennen, was da emotional in mir passiert:
- Wie ich so streng mit mir war (was es in mir gesagt & gedacht hat)
- Wie ich mich oft getrieben habe (wie ich mich bewertet und unter Druck gesetzt habe)
- Wie dieser alte Glaubenssatz in mir festsitzt, meinen Wert an Produktivität zu knüpfen.
Und ich habe gerlernt:
- Ich darf entscheiden, welche inneren Stimmen in mir bleiben dürfen, welche Stimmen wachsen dürfen und welche sich neu orientieren dürfen.
- Damit etwas ganz Entscheidendes eintritt: meine Gedanken und Gefühle bilden ein kooperatives System und mein innerer Dialog arbeitet auf ein wohlwollendes Ergebnis hin.
Das habe ich gemacht: Stimmen verstanden, einsortiert, aussortiert, umsortiert, wachsen lassen, entlassen, neu eingeführt, ... und ein funktionierendes, wohlwollendes Stimmen-System aufgebaut.
Seitdem hat sich unglaublich viel bewegt - nicht über Nacht, aber Schritt für Schritt.
Allein schon zu verstehen, was mich da innerlich antreibt, war ein riesiger Schritt. Und dann das aktive Umdenken zu gestalten, der nächste große Schritt.
Ich habe mich plötzlich leichter gefühlt. Freier. Ruhevoller. Nicht dauerhaft - aber spürbar. Und dieses Gefühl hat mich motiviert, weiter daran zu arbeiten.
Mein Kopf brauchte allerdings auch noch ein rationales Argument, um im Denken nachhaltig etwas verändern zu können.
Rationale Erkenntnis
"Nachhaltiges Wachstum braucht nicht nur Leistungsphasen, sondern genauso Erholungsphasen."
Ich habe also mein Muster emotional verstanden und mein Stimmen-System aktiv umgestaltet.
Danach kam die rationale Erkenntnis, die mein Blick auf Leistung, Wachstum und damit Produktivität verändert hat.
Neben dem emotionalen Verstehen brauchte es also auch bei mir den rationalen Blick.
Das Verständnis von:
- Pausen sind kein Rückschritt.
- Sie sind sogar ein notwendiger Teil des Fortschritts.
- ie im Sport: Muskeln wachsen schließlich nicht im Training, sondern in der Ruhe.
- Und: Pausen helfen mir sogar, langfristig und nachhaltig leistungsstark zu sein.
Diese Kombination - emotionales Verstehen und rationales Begreifen - hat für mich den Schalter umgelegt.
Ich habe heute einen viel entspannteren Blick auf Produktivität.
Ich bin großzügiger mit mir - ohne Übermotivation, ohne Druck, ohne "falsche" Bewertung.
Und ich habe verstanden, dass genau das hilft, dass ich langfristig leistungsfähig und zufrieden sein kann.
Ich merke es: Ich fühle mich insgesamt ruhiger. Klarer. Weniger getrieben. Ich spüre deutlich mehr Leichtigkeit im Alltag.
Abschließend möchte ich noch den wesentlichsten Unterschied beleuchten: meinen heutigen Umgang mit meinen eigenen Gedanken.
Der Unterschied
"Ich fühle mich gut und leistungsstark."
Der entscheidende Unterschied passiert heute in meinem Kopf, in meinen Gedanken:
- Ich habe eine neue Art entwickelt, mit meinen Gedanken umzugehen.
- Ich erkenne schneller, wenn alte Muster auftauchen.
- Ich ordne meine Gedanken bewusster ein.
- Und ich spreche innerlich anders mit mir - weniger kritisch, viel wohlwollender.
Und genau dadurch konnte ich auch mein Verhalten ändern:
- Ich fülle meine To‑do‑Liste heute nicht mehr über den Rand hinaus (realistische Motivation statt Übermotivation).
- Ich erlaube und plane mir Pausen ein, weil sie mich leistungsstark halten (Erkenntnis statt Druck).
- Ich gehe netter und geduldiger mit mir um (Anerkennung statt Bewertung).
Dadurch ändert sich auch mein Gefühl: Ich fühle mich heute leichter. Und vor allem: viel weniger im inneren Kritikmodus. Ich fühle mich leistungsstark. Ich fühle mich gut.
Ich habe nicht alles vollständig „gelöst“. Das muss ich auch nicht.
Aber ich habe ein neues Verständnis, ein tieferes Bewusstsein, ein funktionierendes System, das mich trägt.
Und genau das macht den Unterschied.
Danke fürs Reinlesen: Falls du dich mit den Themen identifizieren konntest und an deinem inneren System und Verständnis arbeiten möchtest, melde dich gerne bei mir.

