Lisa-Marie Schmitz

Warum fällt es uns schwer, Entscheidungen zu treffen?

19. Juni 2026 · von Lisa-Marie Schmitz · ca. 6 Min. Lesezeit

Entscheidungen gehören zum Alltag, und trotzdem fallen sie uns oft schwer.

Dieser Artikel geht sechs Fragen nach, die viele beschäftigen, von fehlender Denkzeit und Decision Fatigue über Informationsflut und Grübeln bis zur Frage, was eine klare Entscheidung im Alltag verändert.

Lisa-Marie Schmitz lächelt in die Kamera in einem weißen Blazer. Auf dem Bild steht: Entscheidungen brauchen Denkzeit.

Warum brauchen gute Entscheidungen Denkzeit?

Stimmige Entscheidungen treffen wir nicht im Stress, sondern aus Klarheit, Souveränität und innerer Ruhe heraus. Und genau die Ressource, die wir dafür brauchen, fehlt heute oft: Denkzeit.

Viele Menschen, gerade in verantwortungsvollen Rollen, sind fast dauerhaft im Reaktionsmodus: Meetings, E-Mails, Chatnachrichten, Ad-hoc Entscheidungen, Erwartungen von allen Seiten. Sie werden von Außen durch Erwartungen aus allen Richtungen fast schon „getrieben".

Was passiert dann mit unseren größeren Entscheidungen?

  1. Wir verschieben sie („Ich kümmere mich darum, wenn es ruhiger ist").
  2. Wir treffen sie im Vorbeigehen, ohne wirklich bei uns einzuchecken.
  3. Wir greifen auf Automatismen zurück, statt bewusst zu wählen.
  4. Wir treffen sie zu spät unter Druck und nur halb-durchdacht.

Entscheidungen werden zu etwas, das „irgendwie mitläuft". Statt dass wir uns einen bewussten Moment nehmen, um Klarheit zu gewinnen und Verantwortung bewusst zu tragen.

Und das sehe ich auch in der Praxis: Erst im Coaching merken viele, wie lange sie nicht mehr wirklich für sich in Ruhe gedacht haben.

→ Wie viele offene oder halboffene Entscheidungen sie innerlich mit sich herumtragen.
→ Wie sehr sie funktionieren statt reflektieren.
→ Wie viel Druck dadurch entsteht, weil nichts richtig abgeschlossen ist.

Umso befreiender und wohltuender wirkt dann ein geschützter Denkraum, in dem Entscheidungen wieder bewusst stattfinden können: Klar. Präsent. Mit echter innerer Zustimmung.

Stimmige Entscheidungen brauchen Denkzeit. Sie ist die Grundlage für Klarheit, Souveränität und innere Ruhe in unseren Entscheidungen.

Impuls für dich: Hör mal in dich rein – welche Entscheidungen trägst du offen oder halboffen mit dir rum? Und ist es Zeit, diese klar und bewusst für dich zu treffen?

Wann treffe ich meine besten Entscheidungen?

Viele versuchen, ihre größten Entscheidungen abends „noch schnell“ mitzudenken: nach einem vollen Arbeitstag, nach 20 Mails, 6 Terminen, unzähligen To Dos und vor allem mit leerem Akku.

Hier spielt das Phänomen "Decision Fatigue" mit rein: Je mehr Entscheidungen wir treffen, desto schlechter werden sie im Laufe des Tages – oder wir neigen dann dazu, lieber gar keine mehr zu treffen. Unser System wählt dann die bequemste Option oder bleibt im Status quo.

Für deinen Alltag kann helfen:
→ Automatisiere kleine To Dos, wo es geht, in dem du Routinen aufbaust.
→ Triff Mini-Entscheidungen nicht dreimal, sondern einmal.

Und für die großen Fragen:
→ Leg sie bewusst in deine „helle Zeit" mit vollem Akku (oft vormittags)
→ Block dir 60–90 Minuten ungestörten Denkraum nur für dich
→ Es kann auch helfen, hier bewusst mit jemandem zu sprechen, der dich professionell durch den Denkprozess begleitet, damit du zu deiner Entscheidung kommst

Oft liegt der Unterschied nicht im Ob, sondern im Wie und Wann du entscheiden willst.

Frage an dich: Wann am Tag triffst du erfahrungsgemäß deine besten Entscheidungen? Und nutzt du diese Zeit schon bewusst?

Wie viel Information brauche ich wirklich für eine Entscheidung?

„Ich entscheide, wenn ich genug Infos habe.” Kennst du diesen Satz von dir? Dann liest du noch einen Artikel, holst noch eine Meinung ein, machst noch eine Pro-Contra-Liste – und verlierst dabei wertvolle Zeit und Energie. Das Problem: 100 % Sicherheit gibt es selten.

Die Forschung spricht hier von Analysis Paralysis: aufgrund von Überinformation oder zu vielen Möglichkeiten wird eine Entscheidung blockiert. Durch zu viel Nachdenken und übermäßiges Abwägen wird das Handeln gelähmt.

Hilfreich ist eine klare Trennung:
→ Welche 2–3 Infos sind wirklich entscheidungsrelevant?
→ Und welche suchst du nur, um dich sicherer zu fühlen?

Setz dir selbst eine Grenze:
→ „Ich hole mir maximal 3 Quellen / 2 Meinungen ein – und dann entscheide ich."

Für kleinere und mittlere Entscheidungen reicht das häufig. Bei den großen Entscheidungen ist oft nicht Wissen das Problem, sondern z.B. Mut, Bewusstsein, Klarheit. Genau da kann Coaching helfen: Nicht mit noch mehr Input, sondern mit Fragen, die dich aus der Schleife holen – und mit dem Moment, in dem du sagst: „Mit dem, was ich heute weiß, treffe ich jetzt eine Entscheidung. Und ich setze diese dann auch um."

Impuls an dich: Frag dich gerne mal: Bei welcher Entscheidung weißt du eigentlich genug – sammelst aber trotzdem weiter Infos (um dich vielleicht vor der Entscheidung zu drücken)?

Hilft Grübeln bei einer Entscheidung?

Kennst du dieses Gefühl, wenn du eine lang aufgeschobene Entscheidung endlich getroffen hast? Plötzlich wird es stiller im Kopf. Du denkst nicht mehr ständig: „Ich wollte mir ja noch Gedanken machen über…" Es ist nicht alles perfekt, aber eine Richtung steht.

Dahinter steckt folgendes: Unerledigte Themen beanspruchen mehr mentale Aufmerksamkeit als erledigte. Wenn du etwas abschließt, sinkt diese Spannung spürbar. Dein System fährt runter.

Das heißt: Die Entlastung kommt nicht erst, wenn alles gut ausgegangen ist.

Sie kommt oft schon im Moment der klaren Entscheidung:
→ Du weißt, wofür du dich entschieden hast.
→ Du weißt, wogegen du dich entschieden hast.
→ Die Schleife im Kopf ist zu.

Du kannst wieder denken, planen, fühlen – ohne dieses permanente „Ich muss mich noch entscheiden, ob ich nun wirklich...". Wenn du gerade an einer Entscheidung kaust, kannst du dir eine Frage stellen: „Wie würde sich mein Alltag anfühlen, wenn diese Entscheidung heute Abend klar wäre – egal, wie die Antwort lautet?"

Frage an dich: Wann hast du das zuletzt erlebt: Entscheidung getroffen und sofort gemerkt, wie es innerlich ruhiger wurde?

Was kostet es, eine Entscheidung aufzuschieben?

„Ich lasse es erstmal laufen.‚ So klingen viele Nicht-Entscheidungen. Sie fühlen sich nach Sicherheit an – alles bleibt, wie es ist. Während du nicht entscheidest, passiert trotzdem etwas: Chancen laufen vorbei, Projekte schleichen vor sich hin, Beziehungen werden blasser, Dein Vertrauen in dich schrumpft, weil du dir beim Zögern zuschaust.

Forschung zu Prokrastination zeigt, dass Aufschieben auf Dauer Stress, Schuldgefühle und Unzufriedenheit erhöht.

Beantworte einmal ganz klar die Frage für dich:
→ „Wenn ich diese Entscheidung noch 6 Monate NICHT treffe – was ist dann sehr wahrscheinlich passiert? Und bin ich bereit, diesen Preis zu zahlen?"

Wenn du merkst: „Eigentlich nicht", hast du zwei Möglichkeiten:
→ Weiter alleine in Gedankenschleifen kreisen und gefühlt in Verzweiflung zu versuchen, endlich irgendwie eine Entscheidung zu treffen
→ Das Thema in 3-6 professionellen Coaching Sessions so anzuschauen, dass am Ende eine konkrete Entscheidung steht - mit der du leben kannst und die sich stimmig und nach dir anfühlt.

Nicht jede Entscheidung braucht Begleitung. Aber manche sind zu teuer, um sie ewig offen zu lassen.

Impuls an dich: Denk gern mal drüber nach: Was würde sich in 6 Monaten konkret verändert haben, wenn du bei deiner einen großen Entscheidung weiterhin NICHT entscheidest?

Was ändert sich, wenn eine Entscheidung einmal klar ist?

Bevor du eine große Entscheidung triffst, fühlt sich oft alles gleichzeitig wichtig an. Dein Fokus springt hin und her. Jeder Plan ist ein bisschen „unter Vorbehalt“.

Wenn die Entscheidung einmal klar ist, passiert etwas Spannendes:

→ Du weißt, welche Aufgaben jetzt wirklich dran sind und welche nur Beschäftigung waren.
→ Du siehst klarer, welche Gespräche geführt werden müssen.
→ Du kannst Projekte/Themen beenden, die nicht mehr zu deiner Richtung passen.

Konkrete, klare Entscheidungen erhöhen unseren Fokus und die Umsetzungswahrscheinlichkeit deutlich. Oder einfacher gesagt: Wenn du weißt, wohin du willst, sortiert sich vieles von allein aus.

Diese Klarheit fühlt sich oft an wie:

„Ich muss nicht mehr alles gleichzeitig können."
„Ich darf Ressourcen neu verteilen."
„Ich darf Dinge bewusst loslassen."

Deine Entscheidung ist nicht nur ein Ja oder Nein. Sie ist ein Filter, der dir zeigt, was ab jetzt wirklich relevant ist.

Impuls an dich: Denk gerne mal darüber nach: Wo würdest du dir gerade am meisten Klarheit wünschen – und welche eine Entscheidung würde dort wie ein Filter wirken?

Lisa-Marie Schmitz

Lisa-Marie Schmitz

Lisa-Marie Schmitz ist zertifizierter & professionell ausgebildeter Coach & strategische Sparringspartnerin. Sie begleitet ihre Klient:innen in einem effizienten Coaching Prozess dabei, bewusst und sich gut anfühlende Entscheidungen zu treffen und umzusetzen – beruflich und privat. Sie arbeitet vor allem mit Führungskräften, Mitarbeitenden und Privatpersonen zusammen.

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